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Wir kaufen zu schlechte Qualität ein!

Holz ist ein faszinierender und nicht ganz trivialer Stoff. Als Qualitätsmanager bei einem Hersteller von Holzparkett erwarteten mich einige unerwartete Herausforderungen. Die Ausschussquote lag bei 10% und dementsprechend viel zu hoch. Auf Grund der hohen Materialtangente liess sich nicht viel verdienen.

Einer der Hauptprobleme war die Herstellung der 4 mm dicken, verleimten vier Meter langen Furniere. Immer wieder passierte es, dass bei den Furnieren Stellen vertieft waren, etwa zu stark gehobelt. Diese Furniere mussten weggeworfen werden, weil an diesen Stellen keine ausreichende Verklebung mit dem Unterbau, der sogenannten Mittellage, stattfand. Denn wenn Feuchtigkeit oder Nässe beim Kunden eindrang, ergab das relativ rasch eine Blase an dieser Stelle im Parkett und eine Kundenreklamation war geboren.

Die Grundursache lag in den getrockneten Friesen, die teilweise stark gebogen oder verdreht waren. Dies kam vom Trocknungsvorgang, weil Holz bei Wasserverlust immer einer Spannung ausgesetzt ist. Der Produktionsleiter meinte auf meine Frage nur lapidar, wie wir denn das Problem in den Griff bekommen könnten, «wir kaufen zu billig und zu schlechte Qualität ein, würden wir bessere Qualität einkaufen, wäre das Problem weg! Wir machen Furniere mit Blockverleimung, daher haben wir keine Möglichkeit Furniere vorher auszusortieren.» 

Diese Antwort befriedigte mich ganz und gar nicht, denn sie beantwortete keinesfalls die Grundursache. 

Also frei nach Gemba nahm ich mir die Zeit, die Produktion zu beobachten. Ich suchte nach potentiellen Möglichkeiten, die Fehlerquote zu minimieren. Schnell kam ich auf den ersten Prozessschritt. In zwei Hobelschritten wurden die Friese exakt gehobelt, um sie später in einer Blockpresse verleimen und dann in der Gattersäge in Furniere teilen zu können. 

Die Friese wurden ohne erkennbares System eingelegt, meist mit dem Bauch nach hinten. Warum war mir nicht ganz klar. Vermutlich war die Meinung, dass dies vorteilhaft sei. Dann begann ich die Friese zu sortieren und das gehobelte Ergebnis zu begutachten. Die Hobelgeschwindigkeit war ziemlich hoch, daher musste ich ziemlich viel laufen und sehr schnell sein. 

Dann war mir die Ursache klar. 

Die Friese lagen mit dem Bauch nach oben und wurden in den zwei Hobelgängen mit relativ viel Oberdruck gehobelt. Der Bauch der verbogenen Friese wurden durch den Druck auf das Holz nach unten gedrückt. Holz ist bekanntlich elastisch und sobald der Druck weg war bogen sich die Friese wieder nach oben. Es waren lediglich wenige Millimeter an den Ecken, aber es reichte, dass später nicht verleimbare Stellen auftraten, und schon eine Tiefstelle auf vier Meter machte das Furnier unbrauchbar und reduzierte die Furnierausbeute.

Die Lösung war eigentlich ziemlich simpel! 

Statt mit dem Bauch nach oben wurden die Friese mit dem Bauch nach unten eingelegt. Damit reduzierte sich die Kraft der Hobel auf etwa die Hälfte, weil nun dieselbe Kraft auf zwei statt eine Stelle ausgeübt wurde. Sie können das selbst ausprobieren, wie sich etwas leichter biegen lässt: mit dem Bauch nach oben oder Bauch nach unten!

Dann veränderten wir auch die Hobeleinstellungen: weniger Oberdruck beim ersten Hobel, weniger Abnahme an Holz, und Einsatz des ersten Hobels hauptsächlich, um möglichst eine ebene Fläche zu erhalten. Dann konnte beim zweiten Hobel problemlos - ohne dass das Holz dabei verbogen wurde - der Rest gehobelt werden.

Die Fehlerquote war drastisch reduziert!

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