Direkt zum Hauptbereich

Beissende Hunde

Heute geht es um ein Thema, das mich immer wieder zur Verzweiflung brachte. Es geht um Kundeninformation, also eigentlich um proaktive Kommunikation zum Kunden in Bezug auf potentielle Risiken, Fehler und mögliche Verbesserungen von Produkten.

Wenn man als Qualitätsmanager nicht selbst zuständig ist für die standardmässige Kundenkommunikation oder nicht kommunizieren darf, entstehen dadurch ziemliche Herausforderungen.  Ich durfte das Thema wiederholt mit der Sales-Mannschaft diskutieren. 

Jedesmal wenn ich vorschlug, dass wir den Kunden aktiv informieren müssen, kam postwendend die Antwort: «Schlafende Hunde weckt man nicht!»

«Warum?» meine Gegenfrage

«Falls Sie unbeabsichtigt aufwachen, könnten Sie beissen, darum!» die Antwort.

«Schlafende Hunde wachen immer auf und wachen dann auf, wenn wir es nicht erwarten! Dann sind wir plötzlich in einer reaktiven Situation, auf die wir uns nicht vorbereiten können!», ist meist meine Antwort.

Ich vermute, dass bei dieser Argumentation eigentlich Angst vor dem Kunden vorliegt oder eine «Vogel-Strauss» Kultur «des Kopf-in-den-Sand-Steckens» vorhanden ist. 

Ausserdem: der Kunde als beissender Hund? 

Das bedingt, dass der Hund tatsächlich scharf ist. Dann muss aber schon vorher vieles falsch gelaufen sein, dass ich den Hund (oder Kunden) scharf gemacht habe!

Ganz im Gegenteil: wir sollten unmittelbar und aktiv den Kunden informieren über potentielle Risiken und Gefahren. Dies kann man auch machen, wenn noch keine Lösung oder Verbesserung verfügbar ist, wenn wir glaubhaft machen können, dass wir uns um die Lösung intensiv bemühen.

Meine Erfahrung ist, dass fast alle Kunden für solche Information dankbar sind! Ja, dankbar, nicht bissig! Er dankt es deswegen, weil er sich auf neue Situation besser einstellen kann, weil er rasch selbst Vorkehrungen treffen kann und weil wir ihm das Gefühl geben, dass wir seine Sorgen ernst nehmen.

Und es muss unmittelbar kommuniziert werden! Man gewinnt Zeit und potentielle Reklamationen können damit vermieden oder entschärft werden.

Also: keine Angst vor «schlafenden Hunden»!


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die 10 Gebote

 Die meisten kennen die christlichen (und jüdischen) «10 Gebote». Der christliche Glaube hat im wesentlichen nur diese 10 Gebote benötigt um weltumspannend erfolgreich zu werden. Was sagt uns das? Warum hat das so erfolgreich funktioniert? Einfachheit und Reduktion auf das Wesentliche hat eben einen entscheidenden Mehrwert! Einfache Regeln, die jeder verstehen kann, sind eben weitaus wirksamer als ein 50-seitiges Strategiepapier. Daher sind «10 Gebote» eben so erfolgreich. Das gilt natürlich auch für Unternehmen und das Management im Unternehmen. Es gibt eine Reihe von Unternehmen oder Managern, die eben mit diesen wenigen, einfachen Botschaften an ihre Mitarbeiter sehr erfolgreich sind. Einer der mir dabei einfällt, ist der austrokanadische Unternehmer Frank Stronach der mit Magna den grössten Automobilteil-Zulieferer der Welt gegründet hat. Er wurde zwar oft von akademisch legitimierten Managern belächelt, aber faktisch war er mit seiner Unternehmenssteuerung den meisten übe...

Wie Kosher ist Halal?

Ein kleines Beispiel zum Schmunzeln, wenn notwendige Regeln ungewollt komisch werden. Eines Tages erreichte mich eine Kundenanfrage: “Wir ersuchen Sie um ein dringende Bestätigung dass ihre Druckfarben Kosher und Halal sind”! Wie? Ich war perplex und begann zu lachen. Druckfarben müssen Kosher und Halal sein? Wer denkt denn ernsthaft daran Druckfarben zu sich zu nehmen? Sie sind weder nahrhaft noch schmackhaft, und ausserdem eigentlich gesundheitsgefährdend!   Natürlich habe ich den Kunden kontaktiert und versucht zu erklären, dass die Farben nicht zum menschlichen Verzehr geeignet bzw. gedacht sind. Er meinte nur, dass sie dies für alle Arzneimittel inklusive Primärverpackung brauchen würden und war nicht einsichtig, dass Farben definitiv zum Verzehr ungeeignet sind. Also gut, ich habe das Kosher / Halal Statement erstellt. Ganz so trivial war es dann doch nicht! Ich musste mich vergewissern, dass im gesamten Syntheseprozess der Grundstoffe keine tierischen Vorprodukte eingesetzt ...

Der Scheisser oder wie Rechtschreibprüfung versagt!

In dieser kleinen Geschichte ging es um die Qualifizierung von Verkleben statt Versch w eissen von Stahl. Diese Mail erhielt ich wortwörtlich als Input von einem Lieferanten. «Meine persönliche Einstellung zu kleben: Heute sind die Kleber extrem gut und belastbar, jedoch sehr heikel in der Vorbehandlung / Feuchtigkeit, Temperaturen und nicht fettfreie Oberflächen können hier das Ergebnis stark beeinflussen. Im Produktionsablauf müsste also ein Schweisser auf einmal kleben. Das klingt zwar relativ einfach aber wenn man an die Umgebung denke wo ein Scheisser steht und seine Hände anschaut ist das alles andere als die Umgebung wo sauber geklebt wird! Aus diesen Gründen ist evtl. kleben nicht günstiger wie scheissen … Dazu kommt, dass wir ja in den wenigsten Fällen solche Teile durch scheissen müssen, sondern nur heften … d.h. den einzigen Vorteil wo ich so auf den ersten Blick sehe ist, dass es von aussen keine sichtbaren Scheiss stellen gibt.» Erkennt deine Rechtsschreibprüfu...